Mui Ne

Mui Ne

Langsam faedelt sich der Bus in den fruehmorgenlichen Verkehr. Im Rueckspiegel die uns Kuesschen zuwerfenden Mme Cuc's. Eine Oase der Familiaritaet. An unseren Fenstern schieben sich die Mofas beladen mit drei Generationen, Grossmutter, Schwiegermutter und Kind, incl. Hund an uns vorbei. Bis zu 11 Getraenkekisten kann man auf den toeffenden Hondas transportieren. Diese Mofas sind wirklich die Antriebskraft der neu erbluehenden Marktwirtschaft. Habe ich mit spitzer Zunge noch behauptet, das ein wirklich vietnamesisches Souvenir eine Flasche Fischsauce mit Hupe waere, so staune ich doch immer wieder aufs neue, das sich trotz kollabierender Enge niemand wirklich verletzt. Erstaunlich mit welcher Apparatur das Mofa zu einem Moebeltransporter, Garkuechenhelfer oder LKW Ersatz werden kann. Das Hupen und Toesen Saigons im Ruecken lernen wir zum erstenmal die Landschaft des Hinterlandes kennen. Fuer die knapp 200km brauchen wir satte 7 Stunden, da es nur im Schrittempo vorangeht. Angekommen in Mui Ne steuern wir das von Mme Cuc empfohlene Little Garden an. Falls ihr mal nach Mui Ne kommen solltet, dann boykottiert bitte dieses Etablissement. Nachdem der Fahrer uns dort absezte, erwartete uns naemlich ausser 6 verstaendnislos dreinblickenden Augenpaaren nichts. Weder ein Xin Jao, Hello oder sonst ein Laut kam aus den Muendern. Auch die Zuhilfenahme unseres vietnamesischen Phrasebooks fuehrte zu keiner Reaktion. Mithilfe eines Sitzstreiks erkaempfen wir uns ein Telefonat nach Saigon zur rettenden Stimme von Mme Cuc, die uns aber nach Ruecksprache mit den offensichtlich authistischen Personal mitteilt, das es kein Zimmer mehr gibt, da wir das 1 Dollar teure Fruestueck nicht rueckconfirmed haben. Bombenstimmung macht sich breit.

Nachdem wir dann von einem Guide des Busbahnhofs durch Baustellen gefuehrt wurden, wo wir uebernachten sollten, landen wir schliesslich in einem kommunistisch angehauchten Jugendschulheim mit Innenhof, inklusiver Huehnerkolchose und 100% tiger Nylon Hello Kitty Bettwaesche. Immerhin besser als am Strand zu schlafen. Mui Ne entpuppt sich als Touristenneppfalle. Auch im Sailing Club ist absolut tote Hose und der Taxifahrer, der uns hierher brachte, sammelt uns wieder auf und anstatt in die empfohlene Wax Bar steuert er brav wieder unser Kadettenheim an. Ok, flexibel wie wir sind kaufen wir uns noch zwei Flaschen Bier und haben dennoch ein sehr nettes Silvester, ganz still mit besinnlichen Gedanken und Wuenschen fuer 2007.

Am naechsten Tag hat es Marta erwischt. Somit sind nur noch der litauische Pferdemagen, meine Wenigkeit, der bergische Pferdemagen, Caethe in Person und der wieder erstarkende Duesseldorfer Magen, Ike am Start. Die gebuchte Jeep Tour durch die Duenen Mui Ne's entpuppt sich als tuckelnde Asphaltkutschiererei. Hier trennen sich wieder Vorstellung und Realitaet, denn wir dachten an wildes Offroad mit Beulen am Kopf vom Anschlagen des Jeepdaches... Mittags verlassen wir mithilfe der Opentour Busse erleichtert Mui Ne und steuern Nha Trang an.

Wieder brauchen wir fuer die knappen 150km eine kleine Ewigkeit, aber hier in Nha Trang erwartet uns Mr. Bu vom Paloma Hotel in seinem Jeep. Wir koennen kaum glauben, das wir, die nicht gerade grazilien Grazien incl. dem sich rapide vermehrenden Gepaeck in dieses Gefaehrt passen. Mister Bu hat hier im ebenfalls tobenden Nha Trang eine Oase der Gastlichkeit geschaffen, absolut empfehlenswert. Der Strand ist auch sehr ruhig, wir sind am naechsten Tag die einzigen Touristen. Das chinesische Meer in dem wir planschen, wirbelt uns durch die ganz ordentlichen Wellen.

Am naechsten Tage fahren Caethe und ich mit den geliehenen Mofas los. Das ist der Tag an dem Vietnam mein Herz dann endlich doch noch eroberte. Winkende Schulklassen, die uns auf unserem Weg anlaecheln, gruene Reisfelder, Wasserbecken mit Fisch und Krabbenzucht und dann ein atemberaubender Wasserfall. Der Weg hoch zum Wasserfall ist eine echte Klettertour, an Klettereisen hangeln wir uns an der Steilwand hoch, schieben unsere Koerper durch Felsritzen und rutschen die flachen Felsen runter, bis wir an einem Pool gelangen, der wirklich wunderbar ist. Wirklich baff bin ich dann, als eine Familie mit Kind irgendwann auch auftaucht. Vor allem weil die Frau so um die 50 ist und eine stabile Figur hat. Wir kommen ins Gespraech und lernen die entspanntesten, deutschen Touristen unseres Urlaubs kennen, denn wenn mal Eltern entspannt sind, dann diese hier. Da gibt es kein Kevin spring nicht vom Felsen, du weisst nicht was darunter ist, Gekeife. Bewaffnet mit Cityslippern nimmt die Frau noch die letzte Huerde an den oberen Pool. Als wir sie unten am Parkplatz wiedertreffen, steigt die Familie wie selbstverstaendlich zu dritt auf ihre Vespa und macht einen eleganten Abflug. Rolemodell fuers Alter ist daraufhin unser Kommentar.

Mit Caethe roehrend durch die Reisfelder zu jagen macht so richtig spass, und in meinem Kopf entsteht der naechste Motorradurlaub offroad in Afrika. Wenn ich wieder nach Deutschland komme, dann ab nach Polen und da einen Schnellfuehrerschein machen Mit ner Vespa unterm Allerwertesten bekommt man einen ganz anderen Blick auf dieses Land. Nach einer entspannten Landpartie trauen wir uns dann auch in die Stadt und cruisen ganz laessig in dem wirbelnden Verkehr. Die Devise heisst langsam. An Kreuzungen tastet man sich heran, hupt energisch und laesst dann die von allen Seiten einstroemenden Teilnehmer freundlich vorbei. Ein Riesenspass. Als mir dann ein Teil meines Gefahehrtes an einer Kreuzung abhanden kommt und ich mich bueckend neben meine Maschine hinknie, kommen ganz viele Vietnamesen an und erkundigen sich, ob mir was passiert ist. Ich bin ganz geruehrt, vor allem da ich noch die Bilder Thailands im Kopf habe, wo man sich dann nicht so aufgeregt erkundigt, was passiert ist, wenn einer mal auf der Strasse liegt.

Alles in Allem ein wunderbarer Tag. So meine Finger fallen ab, aus meinem Kof kommt jetzt auch nicht mehr viel, wir fahren jetzt wieder als ganze Truppe zu den Cham - Tuermen. Marta ist gestern von einem Arzt hier versorgt worden, aber es geht ihr wieder besser, ein Glueck. haahhhh da faellt mir noch was ein.

Ihr kennt doch das Lied More than words. Derjenige der ohne im Internet nachzuschauen (Cross your fingers) sagen kann, wer die Band ist (zwei langhaarige Rocker) bekommt einen Spezialpreis.

Ich bin ganz Ohr.

Dann ganz liebe gruesse!!! und bitte entschuldigt, wenn ich manchmal nicht auf die mail antworte, denn hier ist mein 1und1 account tot, so das ich nicht antworten kann. Gruss und Kuss aus Nha Trang!

4.1.07 03:40
 


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